BILD.de wirbt mit der Piratenpartei

24. Mai 2010 – 12:22

Wie es aussieht haben die Zeitungen die Piratenpartei als Werbezugpferd entdeckt – womöglich gegen deren Willen. Gibt man beispielsweise bei Google das Suchwort “Piratenpartei News” (oder auch “Piratenpartei Mitglieder”) ein, erscheinen nicht nur die normalen Suchergebnisse sondern auch Google Adwords Werbung für die BILD-Zeitung und die Welt. Jeder Klick auf diese Werbung kostet die Zeitungen Geld, bringt aber auch Leser auf die Seiten der Zeitung die sonst eventuell auf den Seiten der Piratenpartei gelandet wären.

Während bei Welt.de immerhin noch auf eine Unterseite verwiesen wird, die wirklich auch Artikel zur Piratenpartei enthält landen User die auf die Werbung von BILD.de klicken auf einer allgemeinen Politik-Unterseite. Hier würde wohl nur mit sehr viel Zufall ein Beitrag zu den PIRATEN zu finden sein. Kein Wunder, bemüht man die Suche von BILD.de zum Thema Piratenpartei scheinen die meisten Beiträge bereits viele Monate alt. Die Überschrift der Werbung: “Die Piratenpartei: News” ist damit schon eher ein wenig irreführend weil sehr new scheint der Content auf BILD.de dazu nicht zu sein.

Ich weiß nicht, ob der Bundesvortsnad schon von diesen Werbemaßnahmen weiß oder eventuell sogar zugestimmt hat dass dies genutzt werden kann. Falls nicht sollte man bei Google auf jeden Fall Beschwerde einlegen und das Keywort Piratenpartei als Adword sperren lassen. Das ist mit einem einfachen Formular möglich.

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Der Vagina-Fail

8. April 2010 – 19:30

Manche Fälle sind so abstrus, da glaubt man kaum, dass sie sich tatsächlich so zugetragen haben. So gab es zum Beispiel auf der Plattform Abgeordneten-Watch eine Anfrage an den SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy. Dieser hatte unter anderem auch seine Zustimmung zur Vorratsdatenspeicherung gegeben, die erst kürzlich vom Bundesverfassungsgericht gänzlich gekippt worden war.

Seine Begründung warum er das Gesetz trotzdem nach wie vor für richtig hält ist etwas überraschend:

Auf meinen Namen wurde vor ca. einem Jahr über das Internet bei einem recht bekannten Flensburger Erotik-Versand eine künstliche Vagina bestellt, über deren Eintreffen in meiner Privatwohnung ich sehr überrascht war. Ist es legitim, herausfinden zu wollen, ob der Besteller identifiziert werden kann?

An der Stelle fängt man an zu zweifeln. Ist es tatsächlich nicht richtig, die Onlineaktivitäten aller Deutschen aufzuzeichnen damit Herr Edathy herausfinden kann, wer ihm unverlangt eine Vagina ins Haus geschickt hat? Wenn bisher kein Argument das Bundesverfassungsgericht erschüttern konnte, dann doch wohl dieser Fall.

Eine kleine Bitte an den unbekannten Vagina-Versender: Bitte schickt Herrm Edathy keine Sendungen mehr. Wer weiß was er sonst noch alles durchwinkt um an die Adressen der Scherzbolde zu kommen.

Wikileaks Video Collateral Murder

6. April 2010 – 11:55

Der neuste Streich von Wikileaks: Ein Video aus dem Jahre 2007 das einen Angriff der US-Militärs im Irak mit einem dutzend Toten zeigt:

BKA löscht IPs?

30. Januar 2010 – 21:39

Immer wieder liest man, dass die IP-Adressen des alten IPv4 Kreises knapp werden können. Es gibt Hochrechnung das schon 2011 nicht mehr genug normale IP Adresse vorhanden sein könnten um alle Dienste damit auszustatten.

Der Grund dafür zeigte sich jetzt in einem Interview, das der Präsident des BKA, Jörg Ziercke, der Welt am Sonntag gab:

Das alleinige Löschen einer IP-Adresse führt damit nicht zum Verschwinden der schrecklichen Bilder aus dem Internet.

Das BKA scheint also klammheimlich IP-Adresse zu löschen, auf denen bedenkliche Inhalte gefunden wurden oder hat das zumindest versucht. Kein Wunder, dass deren Erfolgsquote bisher so gering war …

Um ein erstes Thema nicht vollständig zu untergraben: Der zitierte Satz ist natürlich kompletter Unsinn. Es werden keine IP-Adresse gelöscht, sondern wenn die Inhalte die über die IP-Adresse aufrufbar sind. Um es mal mit dem Straßenbau zu vergleichen: Hauptstraße 5 bleibt eine Adresse auch wenn dort gerade kein Haus steht. Und umgekehrt kann man das Haus nicht entfernen, wenn man die Adresse abschraubt. Man macht es dem Postboten nur etwas schwieriger …

Den inneren Teenager bewahren

19. Januar 2010 – 12:17

Die gestrige (mittlerweile nicht mehr öffentliche) Pressemitteilung hat einiges an Aufsehen erregt. Sie war zu persönlich, insbesondere Sascha Lobo wurde direkt angegriffen. Mittlerweile hat Lobo auf die PM reagiert und seine Gedanken zu den Piraten und der Pressemitteilung zusammengestellt.

Der in meinen Augen wichtigste Satz kommt in seinen Ausführungen zum Schluss: “insofern würde ich dich/euch bitten, der inneren siebzehnjährigkeit in der partei noch entschiedener entgegenzuwirken.” Betrachtet man sich die hochprofessionellen Politikbetriebe von CDU, SPD, FDP usw. stellt sich die Frage ob das wirklich das Ziel sein sollte. Schaut man auf die verkrusteten Strukturen der etablierten Parteien bleibt die Innovationskraft und der Ideenreichtum der “jugendlichen” Piratenpartei als ein willkommener Kontrapart zum aktuellen Politikverständnis. Dies Aufzugeben hieße sich Einreihen in das derzeitige Politiksystem und verträgt sich nicht sonderlich mit dem Anspruch der Piraten nicht nur für neue Inhalte sondern für eine neue Art der Politik anzutreten. Ein wenig Jugendlichkeit ist aktuell der Punkt in dem sich Piraten von anderen Parteien abgrenzen.

Ein zweiter wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist der “besitz der allgemeingültigen wahrheit”. Auch wenn Lobo den Wahrheitsbegriff in dem Zusammenhang als etwas Schlechtes darstellt: Wenn die Piraten nicht davon überzeugt wären, dass das was sie machen richtig und wichtig ist, würde ihnen ein Großteil der Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit, die sie aktuell repräsentieren verloren gehen. Idealismus – im Sinne von an etwas Glauben und hinter etwas Stehen – mag in der aktuellen Zeit der professionellen Politik und der professionellen Politiker nicht mehr die große Rolle spielen, ein Fehler ist es deswegen aber nicht.

Falsch wird es erst, wenn man diesen Idealismus so weit treibt, das andere Menschen dadurch abgewertet werden. Die schnelle interne Kritik an der Pressemitteilung zeigt aber deutlich, dass sich die Piraten dieser Gefahr durchaus bewusst sind und reagieren können, wenn Idealismus zu weit geht. Und: Anders als andere Parteien gibt es durchaus die Möglichkeit, Fehler einzugestehen und sich auch dafür zu entschuldigen.

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Sueddeutsche.de kauft sich Lob

18. Januar 2010 – 10:50

Falls jemand in nächster Zeit in verschiedenen Blogs lobende Erwähnung von Sueddeutsche.de finden sollte: Über die Blog-Werbeplattform Trigami hat die Zeitung wohl Blogposts eingekauft.

Dabei soll nicht nur die Zeitung lobend erwähnt werden, auch die IPhone-App sollte im besten Fall positive Bewertungen bekommen. Apple dürfte sich über diese gekaufte Bewertungen sicher nicht wirklich freuen. Im Blogpost sollte insbesondere erwähnt werden:

* Die bekannt hohe journalistische Qualität von SZ und sueddeutsche.de kann jetzt auch komfortabel mit dem iPhone genutzt werden
* sueddeutsche.de hat eine Meinung
* sueddeutsche.de bezieht Stellung
* sueddeutsche.de berichtet nicht nur, sondern kommentieret (sic!) das Geschehen sachkundig und professionell
* die Autoren von sueddeutsche.de sind ihre Stärke
* gutes Mittel zum Komplettieren des Informationsbedürfnisses des interessierten, modernen Menschen von heute
* Man kann seinen Kollegen/Bekannten zeigen, dass man auf Qualität setzt

Die Sueddeutsche scheint im IPhone- und Blogbereich nicht allzuviele Freunde zu haben wenn man sich die positiven Bewertungen jetzt kaufen muss.

Kleiner Schmunzler: Es gab wohl pro Blogger 17 Euro für die Werbung. Die iPhone App mußte allerdings erst kostenpflichtig geladen werden …

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Sei wachsam

11. Januar 2010 – 14:49

Reinhard Mey mit einem sehr schönen Stück über die Freiheit:

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Von Fröschen und Überwachung

10. Januar 2010 – 14:32

Innenminister de Maizière über den Tisch gezogen

2. Januar 2010 – 20:56

Mit dem SWIFT-Abkommen hat die EU (unter anderem auch mit der Duldung von Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière (CDU)) den USA weitreichend Zugriff auf europäische Bankdaten gegeben. Im Gegenzug erhielten die europäischen Staaten die Ergebnisse aus der Terrorfahnung um in Europa besser gegen den Terror gewappnet zu sein. Mit einem deutschen VETO hätte de Maizière das Vertragswerk stoppen können.

So gehen nun für die nächsten 9 Monate vertrauliche Zahlungsdaten deutscher Bürger und Unternehmen auf Anfrage in die USA.

Das man den Innenminister dabei offensichtlich übervorteilt hat belegt jetzt eine Papier des BKA, das der Spiegel veröffentlicht hat. Darin heißt es:

“Für den Bereich der Bekämpfung der politisch motivierten Kriminalität besteht kein fachlicher Bedarf beziehungsweise kein operatives Interesse an der Nutzung des SWIFT-Datenbestandes zum Zwecke einer systematischen anlassunabhängigen Recherche.” (Quelle)

Die Datenfreigabe an die USA wurde also mit wertlosen Zugeständnisse der USA erkauft. Der Innenminister hat sich über den Tisch ziehen lassen und nicht zum Vorteil Deutschlands gehandelt. Durchaus möglich, dass hier auch noch andere Interesen im Spiel waren – man zum Beispiel die USA nicht verärgern wollte – aber den Zugriff auf die europäischen Bankdaten zu erlauben ohne eine sinnvolle Gegenleistung kann man eigentlich nur als politische Dummheit bezeichnen. Durchaus möglich, dass es die Unerfahrenheit des neuen Innenministers ist, die hier ein Übervorteilen erleichtert hat – im Zweifel sind es aber die Bürger und Unternehmen die den Preis für diese Unerfahrenheit zahlen müssen.

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Springer, Paid Content und die GEZ

22. Dezember 2009 – 18:10

Gar nicht so einfach die Begriffe aus der Überschrift in einen sachlich sinnvollen Zusammenhang zu bringen, aber die neusten Wortmeldung aus dem Springer-Konzern (BILD) machen es notwendig.

Springer hat nämlich im Kampf und Paid Content (das Bezahlangebot von BILD und Welt.de wurde jüngst gestartet) eine neue Front entdeckt. Nicht nur Google bietet kostenlose News sondern auch die Öffentlich-Rechtlichen. So plant die Tagesschau ebenfalls eine App für das iPhone – im Gegensatz zu Springer allerdings kostenlos.

Kein Wunder also, dass man bei Springer Konkurrenz wittert und – noch schlimmer – schon wieder eine Marktverzerrung zugunsten der Öffentlich-Rechtlichen.

Allerdings: Warum eigentlich keine App? iPhone Nutzer zahlen genau so GEZ Gebühren und ab 2013 eventuell sogar den vollen Satz. Es wäre nur gerecht ihnen hier auch eine Leistung dafür anzubieten die über die normale Fernsehversorgung per Internet hinaus geht. Dazu haben Internet-Nutzer derzeit ohnehin das Problem, dass Inhalt der Öffentlich-Rechtlichen nur begrenzt im Netz vorgehalten werden und nach etwa 7 Tagen aus den Online-Mediatheken verschwinden. Die App selbst ist dann wohl auch nicht das Problem (die Kosten dafür sind eher gering im Vergleich zum täglichen Aufwand die News zu produzieren), problematischer ist eher der Zugang zu kostenlosen News (wie im Fernsehen und Radio eben auch). Warum sollte man sich die kostenpflichtige Springer-App holen, wenn es die App der Tagesschau für umsonst gibt?

Fraglich aber, warum Springer damit ein Problem hat. Immerhin bietet das Bezahlangebot doch Zugang zu News früher als im Blatt. Überschneidungen gibt es dann also nur bei Themen die auch in der Tagesschau kommen (oder von dort beeinflusst wurden). Bei Storys die Springer exklusiv hat – und das sollte der Qualitätsanspruch sein – gibt es keinerlei Probleme, weil die Tagesschau derartige News eben nicht liefern kann. Springer selbst scheint wirklich keine hohe Meinung von den eigenen Inhalten zu haben.

Der richtige Weg wäre also besseren Content liefern statt den Konkurrente gleich wieder auf der politischen Ebene wegbeissen wollen. Mal sehen wann man das auch bei Springer merkt.

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