Auf einem Auge blind
17. Juli 2009 – 08:45Ein kleiner Nachtrag zum fehlenden Medienecho auf die Verstimmungen der indischen Botschaft über die falschen Aussagen von Familienministerin von der Leyen: Knapp 48 Stunden nach den Vorfällen (die falschen Aussagen liegen sogar noch weiter zurück) gibt es eine weiteren Artikel zu diesem Thema in der taz (hier). Damit haben sich nun mit heise, SPON und taz genau drei etablierte Medien in ihren Online-Ausgaben mit diesem Thema beschäftigt.
Wie selektiv man bei Nachrichten in diesem Bereich vorzugehen scheint zeigt eine heutige Meldung bei Ad-Hoc-news.de Dort wurde sogar aus Vorabmaterial (Interviews aus der Freitagsausgabe von Zeitungen) eine Meldung gebastelt. Allerdings ist der Tenor der Meldung auch nicht kritisch für die Ministerin sondern es geht in erster Linie erneut um Wahlversprechen, in dem Fall nochmal um geplante Steuersenkungen:
In einem Gespräch mit den «Stuttgarter Nachrichten» und der «Kölnischen Rundschau» (Freitagausgabe) sagte die Ministerin: «Steuersenkungen sind das feste Ziel der Union. Die Familienministerin wird bei einer Steuersenkung genau darauf achten, dass es eine starke Kinderkomponente gibt. Diejenigen, die Kinder erziehen, sollen mehr vom selbst verdienten Einkommen behalten. Kinder zuerst – das soll das Prinzip sein.»
Kritische Meldungen werden gar nicht erst veröffentlicht, Wahlkampfaussagen dagegen prominent und schnell verteilt. Bei dieser Form des Journalismus fragt man sich natürlich schon, inwieweit hier Interessen der Politik Informationsinteressen überlagern. So gibt es in dem genannten Artikel zwar eine Rezitation der Aussagen der Familienministerin, kritisch hinterfragt werden die Aussagen dagegen nicht.
Dabei gibt es eine ganze Reihe von Experten (und auch Nicht-Experten), die Steuersenkungen im aktuellen Kontext nicht für machbar halten. Um zumindest an dieser Stelle ein wenig Journalismus zu wagen hier ein paar Zitate aus einer Frontal21 Sendung (Video auf der Webseite) zu diesem Thema:
Wirtschaftswissenschaftler wie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Professor Klaus Zimmermann, halten das für nicht finanzierbar. Steuersenkungen seien in der jetzigen Lage irrational.
oder
Auch der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Professor Thomas Straubhaar, hält Steuersenkungen für falsch – und Steuererhöhungen für unumgänglich. Er halte es für eine große Illusion zu glauben, dass man angesichts der heute bereits eingegangenen Versprechungen und Verpflichtungen für die nächsten Jahre ohne Steuererhöhungen auskomme.
Tags: Indien, Presse, Zensursula
"Mein Name ist Guybrush Threepwood und ich will Pirat werden!"
Ein Kommentar zu “Auf einem Auge blind”
Was bringt es die Steuern zu senken?
Was haben die Leute davon, die 1100 € Netto monatlich verdienen und somit (nehmen wir einfach ma an) 5 euro monatlich sparen?
Damit werden die sicherlich die Konjunktur ankurbeln, mit dem Geld >.>
Aber die Großverdiener, die freut das…bei einem monatlichen Einkommen von 300.000 € bleibt selbst bei einer Steuersenkung von 1% ein wenig was übrig…
Und die Leute kurbeln nicht die Wirtschaft an…
Armes Deutschland…
Von seven zu 20.07.2009