Freie Kopien = wirtschaftlicher Schaden?
3. August 2009 – 11:24“Raubkopierer sind Verbrecher!” mit diesem Slogan versuchte und versucht die Musikindustrie den wirtschaftlichen Schaden aus dem Internet auf das Filesharing zu projizieren. Dabei gibt es längst Hinweise, dass freie Kopien nicht zwangsläufig mit wirtschaftlichem Schaden einhergehen, sondern das es insbesondere im Bereich der Musik durchaus sinnvoll Ansätze gibt wie sich freie Kopien und wirtschaftlicher Erfolg miteinander in Einklang bringen lassen.
Vorreiter in diesem Bereich dürfte die Band Nine Inch Nails sein. Bereits Anfang 2008 wurde ihre erstes Instrumental-Album “Ghosts I-IV” unter einer freien CC-Lizenz veröffentlicht. Das Album durfte frei kopiert werden unter der Bedingung, dass die Namensnennung erfolgt, es nicht kommerziell angewendet wird und die Lizenz erhalten bleibt. Das Album konnte also jeder kostenfrei und vollkommen legal downloaden. Trotzdem spielte das Album in der ersten Woche bereits mehr als 1,6 Millionen ein und wurde 2008 das meistverkaufte Album im Amazon-Shop.
Der Erfolg des Albums steht dabei im Kontrast zur bisherigen Argumentation in diesem Bereich. Wenn freie Kopien erhältlich sind, so die Begründung, kauft niemand mehr die Alben normal ein. Freie Kopien würden damit allein durch die Möglichkeit des kostenlosen Zugangs Verluste verursachen und insbesondere den Künstlern schaden. Diese Argumentation scheint zumindest in einem Beispiel widerlegt. Freie Kopien als Marketingchannel und wirtschaftlicher Erfolg eines Werkes können Hand in Hand gehen.
Mittlerweile gibt es auch Studien, die diese Praxis-Ergebnis mit theoretischen Konzepten untermauern. Untersucht wurden dabei die Online-Verkäufe des Labels Magnatune von 2003 bis zum Januar 2005. Dabei konnten die Kunden den Preis in gewissen Grenzen selbst bestimmen:
Den Preis für die Alben bestimmten die Kundinnen und Kunden innerhalb einer Preisspanne zwischen fünf und 18 Dollar selbst. Magnatune empfiehlt einen Preis von acht Dollar, der auch als Standardwert voreingestellt ist. Der durchschnittlich bezahlte Preis beträgt 8,20 Dollar und liegt damit 64 Prozent über dem geforderten Minimum.
Insgesamt wurden dabei 4 Kundengruppen gefunden die recht stabile Zahlungsmuster aufweisen:
(1) Kunden, die regelmäßig den empfohlenen Preis von acht Dollar bezahlen.
(2) Kunden, die lediglich das geforderte Minimum bezahlen.
(3) Kunden, die durchgehend mehr als die empfohlenen acht Dollar bezahlen und
(4) solche, bei denen die Zahlungsbereitschaft über die Zeit sinkt.
Obwohl die Alben online auch vollständig hörbar waren konnte ein wirtschaftlicher Gewinn erreicht werden. Die Kunden wurden dabei nicht zum Kauf gezwungen sondern bestimmten mehr oder weniger freiwillig den Preis. Das Ergebnis der Studie ist daher insbesondere für die Entwicklung alternativer Geschäftsmodelle recht positiv:
Den Ergebnissen der Studie zufolge, ist das Zahlungsverhalten der Magnatune-Kunden konsistent zum Konzept der Gegenseitigkeit. “Es kommen jedoch auch andere Erklärungsansätze für das nicht-opportunistische Verhalten der Kunden in Frage, wie z. B. die Vermeidung möglicher Schuldgefühle oder der Wunsch, sich als “guter Mensch” fühlen zu können”, erklärt Tobias Regner.
Freie Kopien schaden also nicht zwangsläufig dem wirtschaftlichen Erfolg. Es kommt darauf an, dem Kunden ein interessantes Geschäftsmodell zu präsentieren und den Servicegedanken im Vordergrund zu behalten.Das macht Hoffnung für die Umsetzung anderer Konzeote (wie zum Beispiel Prerealease-Portale und Ähnliches). Wenn der wirtschaftliche Background stimmt dürfte es hier auch bessere Möglichkeiten geben Investoren mit einzubeziehen.
Es wird interessant sein zu sehen ob und wann die ersten Musiklabels auf diese Möglichkeiten reagieren oder ob es die kleinen Labels sein werden die hier ein neues Geschäftsfeld aufbauen. Bislang haben die großen Konzerne im Musikgeschäft eher versucht ihre bisherigen Geschäftsfelder vehement zu verteidigen – eventuell wird sich diese Strategie bald als Fehler herausstellen, wenn die großen Labels immer mehr kreative Künstler an die neuen Vermarktungswege verlieren.
Tags: CC. CC-Lizenz, Creative Commons, Filesharing, freie Musik

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