3. August 2009 – 18:18
Der Kanzlerkandidat der SPD hatte in der Zeit vorgelegt und seine Argumente für ein gebührenfreies Studium dargelegt. Die Antwort darauf lies nicht lange auf sich warten, Martin Spiewak versuchte zu erklären, warum ein Studium mit Gebühren an sich viel besser und gerechter ist. Leider kommt er dabei nicht umhin einige bekannte Vorurteile zu bemühen:
Weder hatten die Studenten Anlass, zügig zum Abschluss zu kommen, noch brachte es den Hochschulen viel, sie dabei zu unterstützen.
Ja, die faulen Studenten waren schon immer ein Dorn im Auge aller die gerade nicht studieren und mußte häufiger herhalten um die Einführung von Studiengebühren zu rechtfertigen. Dabei gibt es an sich ein einfaches Mittel um Studierende zu motivieren, das Studium zu beenden: Ein gut bezahlter Arbeitsplatz. Nur die wenigsten Studenten wollen tatächlich lebenslanges Lernen als Studienmodell beibehalten, die meisten würden gern in den Berufsalltag wechseln – wenn es denn ginge. Allerdings fehlen gerade in dem Punkt häufig die freien Stellen – seien es Lehrer, Sozialberufe oder ähnliche Fachrichtungen.
Eigentlich fragt man sich nach dem Artikel, warum es eigentlich nicht schon längst Gebühren gibt die das Schlaraffenland Studium regelmentieren. Denn:
Akademiker beanspruchen mehrfache Vorteile: Als Studenten dürfen sie eine verlängerte Jugend genießen, als Berufstätige ein höheres Prestige. Sie verdienen deutlich mehr und werden nur halb so häufig arbeitslos wie Nichtakademiker.
Die “verlängerte Jugend” bedeutet auch 4 bis 5 Jahre ohne ein hohes Einkommen. Rechnet man 3-4 Jahr Abitur zusätzlich hinzu dauert es deutlich länger bis angehende Akademiker tatsächlich etwas verdienen- kostenlose Praktikas an dieser Stelle einmal nicht eingerechnet. Und wirtschaftlich scheint ein Studium auch nicht zu sein:
Selbst wenn man berücksichtigt, dass Hochschulabsolventen später höhere Steuern entrichten, zahlen sie den Preis ihres Studiums selten voll zurück.
Ist Bildung also ein gesellschaftliches Verlustgeschäft? Im Gegenteil! Verdiente ein Dreher mit Facharbeiterausbildung im Jahr 2006 durchschnittlich 37.000 Euro brutto pro Jahr, lag ein Chemiker mit Diplomausbildung mit 75.000 Euro brutto bei etwa dem doppelten Jahreseinkommen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Die gezahlten Steuern und Sozialabgaben steigen damit natürlich auch entsprechend an.
Es muss also ein staatliches Ziel sein so viele junge Leute wie nur möglich mit einem möglichst hohen Bildungsabschluss auszustatten. Das ist gut für die individuellen Chancen und gut für die Gesellschaft.
Studiengebühren – und alle Bildungsgebühren – schrecken dabei ab. Egal wie man sie ausgestaltet, egal wie viele Kreditprogramme man auflegt – es ist eine wirtschaftliche Grundregel: Steigt der Preis sinkt die Nachfrage. Alle Befürworter von Studiengebühren versuchen diesen Umstand durch die verschiedenstens Systeme aufzuweichen aber letztendlich bleibt es dabei: Studiengebühren schrecken ab und machen das System Bildung in Deutschland noch ein Stück undurchlässiger. Im Artikel der Zeit wird dieser Fakt im übrigen so versucht zu entkräften:
Auch wenn die Gebühren nur moderat sind – das gesamte Bachelorstudium kostet 3000 Euro – und Bafög-Empfänger vielerorts befreit sind, wirken die Gebühren für einige Abiturienten abschreckend. Doch die Gruppe ist nicht groß. Die meisten Kinder aus einfachen Verhältnissen scheitern bereits in der Schule.
Das heißt im Klartext: Das System ist ohnehin schon extrem sozial selektiv – also macht es nichts, wenn wir diesen Effekt noch weiter bestärken. Das Ziel ein möglichst hohes Bildungsniveau für alle zu garantieren erreicht man damit auf jeden Fall nicht.
Um es auf den Punkt zu bringen: Deutschland braucht Akademiker und Deutschland braucht mehr Akademiker. Je höher das Bildungsniveau in der Bevölkerung, desto besser sind wir für die Herausforderungen der kommenden Jahre und Jahrzente gerüstet. Wir können auch weiterhin große Teile der Bevölerung von der Bildung allgemein abschneiden in dem wir immer höhere Hürden aufbauen oder wir entscheiden uns endlich dafür das gesamte deutsche Bildungssystem sozial gerechter zu gestalten. Dazu gehört auch Kinder aus Familien mit geringerem Einkommen den Zugang zu Hochschulen nicht noch schwerer zu gestalten in dem mal immer neue Gebühren auf Bildung erhebt.
Tags: Bildung, Bildungssystem, Studiengebühren
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