Karrierkiller Internet
21. August 2009 – 10:57Die Meldung die heute durch die Medien (hier, hier, hier oder auch hier) ging ist eindeutig: Informationen aus dem Internet und insbesondere den großen Netzwerken sind beliebt in den Personalabteilungen und werden gerne genutzt um Bewerber vorab zu prüfen und gegebenenfalls auszusortieren. In einer Studie des Dimap-Instituts im Auftrag der Bundesregierung gaben von den befragten Personalabteilungen 28 Prozent an, im Internet gezielt nach Informationen zu Bewerbern zu suchen. Finden sich dort negative Äußerungen über früher Arbeitgeber ist das in mehr als 75 Prozent der Fälle des Aus für den Bewerber. Fast ebenso kritisch sind Partyfotos.
Ein Grund zum Handeln scheint das für die Regierung eher nicht zu sein. Auf SPON wurde Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner wie folgt zitiert:
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU), deren Haus die Studie in Auftrag gegeben hatte, warnte vor einem allzu freizügigen Umgang mit persönlichen Informationen im Internet. “Die unbekümmerte Preisgabe persönlicher Daten im Netz kann zum Stolperstein für die berufliche Karriere werden”, sagte Aigner.
Man überlässt es also der Verantwortung der Internetnutzer was und wie sie Daten preisgeben.
Ob das sinnvoll ist sollte man überdenken. Nicht immer sind Informationen und Bilder im Netz auch von der betroffenen Person eingestellt worden. Das Löschen solcher Inhalte (so man sie denn kennt) ist mühselig und führt meistens über die (personell häufig unterbesetzten) Support-Adressen der Netzwerke. Viele Nutzer wissen nicht, welche Ansprüche sie auf ihre Daten haben und wann gelöscht werden muss und wann nicht.
Dazu speichern Netzwerke die Daten derzeit auf ewig. Einmal eingestellt bleiben Informationen online bis sie manuell wieder entfernt werden. Auch bei inaktiven Accounts in den Netzwerken sind die Infos weiterhin abrufbar. Hier wäre eine Lösung mit Zeitbegrenzung sinnvoll – zumindest eine Abfrage mit Bestätigung ob die Infos weiter aktuell sind und online bleiben sollen.
Ebenso sinnvoll wäre eine Opt-In Lösung für persönliche Daten: Die gesetzliche Vorschrift alle persönlichen Daten im Netz immer unzugänglich zu machen, es sei denn der Nutzer schaltet diese Infos detailliert für die Nutzung frei. Die meisten User wissen kaum wer derzeit alles ihre Daten sehen, abfragen und speicher kann – in den wenigsten Netzwerken gibt es Hinweise was für Fremde sichtbar ist.
Eine gesetzliche Mindestregelung zum Umgang mit Daten, Bildern und Informationen in diesem Bereich wäre also dringend angezeigt. Sinnvoll wäre es auf jeden Fall und ein wichtiger Schritt in Richtung Bürgerschutz im Internet. Allerdings gibt es hier keine Lobby die dahinter steht und derartige Gesetzesvorhaben forciert – es wird also noch eine Weile dauern bis entsprechende Anregungen den Einzug in den Bundestag halten.
Tags: Social Networks
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